Ein Leben ohne Handy? Für viele unvorstellbar. Die kleinen praktischen Alltagsbegleiter findet man überall – immer erreichbar und mobil. Doch muss das auch schon für Kinder gelten? Ab wann ist ein Handy für ein Kind nützlich, und muss es unbedingt das teure Smartphone sein? Wir klären euch auf. 

An jeder Staßenecke sieht man jemanden, der gerade sein Handy in der Hand hält – der eine telefoniert , der andere surft im Netz. Und auch immer mehr Kinder kann man mit ihren Handys beobachten. Gekonnt tippen sie SMS  – und das häufig schneller als manch Erwachsener – oder telefonieren mit Freunden. Auch Apps wie Whatsapp, oder Spiele, sind längst auch bei den Kleinen angekommen. Doch braucht ein Grundschüler wirklich schon ein Smartphone? Sicherlich ist es nützlich, sein Kind immer und überall erreichen zu können, und letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen ein Handy abhängig von vielen Faktoren.

Die Entscheidung für oder gegen ein Handy 

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem das Kind sich sein erstes Handy wünscht. Wo noch vor 10 Jahren dieser Zeitpunkt meist in der sechsten – siebten Klasse kam, wollen nun immer mehr Grundschüler bereits ein Handy haben. Die Zeit hat sich gewandelt. Wir sind im Zeitalter angekommen, wo Handys mit Kamera, Apps und zahlreichem Schnick-Schnack zum Alltag dazugehören. Und so ist der Wunsch der Kinder völlig zeitgemäß. Doch muss bereits ein Kind in der zweiten Klasse ein Handy haben? Muss nicht – aber kann!

Die Entscheidung für oder gegen ein Handy ist meist nicht schnell getroffen. Das Für und Wider muss ausgelotet werden. Sicherlich ist es nützlich auch sein Grundschulkind immer und überall erreichen zu können. Viele Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle. So kommt es sicherlich auch darauf an, wo die Familie lebt. Eltern die in einer Großstadt leben, deren Kinder weitere Wege zu Schule und zu Freunden bewältigen müssen, entscheiden sich häufig relativ früh dazu, ihrem Kind ein Handy mit auf dem Weg zu geben. Aber auch die eigenen Erfahrungen im Leben spielen eine Rolle. Sind Eltern selbst zur Schulzeit in brenzlige Situationen gekommen, werden sie sich ebenfalls früher für ein Handy entscheiden. Jedoch gibt es sicherlich auch Eltern, die weiterhin der Meinung sind, dass ein Kind auch gut ohne Handy zurecht kommt, und ihm daher erst sehr spät eins zugestehen.

Die letztendliche Entscheidung ist in jeder Familie individuell und unterschiedlich. Eine Antwort auf die Frage «Ist ein Handy für Kinder bereits in der Grundschule sinnvoll?» lässt sich also nicht pauschal beantworten. Jede Familie sollte diese Entscheidung für sich und ihre Situation treffen. Und manchmal ist es einfach das Bauchgefühl, dem Eltern folgen sollten.

Weiterführende Schule – Das Handy gehört dazu 

Spätestens wenn das Kind von der Grundschule in die weiterführende Schule wechselt, kommt der Wunsch nach dem eigenen Handy auf. Denn mittlerweile haben fast alle Fünft- bis Sechstklässler ein eigenes in ihrer Tasche. In der Altersgruppe über 12 Jahren haben fast 100 Prozent der Jungen und Mädchen ein Handy, bzw. Smartphone. Wer keines hat, wird schnell zum Außenseiter.

Jetzt können Eltern ihre Gedanken und Entscheidungen zum Thema Handy für ihr Kind überdenken. Denn ab jetzt bekommt das Handy einen immer größeren Nutzen auch für Kinder. Es dient nicht nur zur Kommunikation mit Freunden, sondern bringt auch für die Eltern einen Vorteil. Mit steigendem Alter der Kinder, erhalten sie immer mehr Freiräume und wagen zum Beispiel erste Ausflüge alleine ins Kino, in die Stadt, oder zu weiter entfernten Freunden. Haben sie dann den Bus verpasst, oder etwas anderes unvorhersehbares geschieht, können die Kinder ihren Eltern direkt bescheid geben, oder sie um Rat und Hilfe bitten. So wird das Handy zur Sicherheit für Kinder und deren Eltern.

Regeln beim Umgang mit dem Handy 

Egal ob bereits ein Grundschulkind oder ein Teenager ein Handy erhält, es sollte feste Regeln im Umgang mit dem Gerät geben. So sollte das Handy während des Unterrichts tabu sein, und auch fortwährendes Spielen sollte unterbunden werden. Desto jünger die Kinder sind, desto sinnvoller ist es außerdem, das Handy Abends an sich zu nehmen. So verhindern Eltern, dass das Kind die ganze Nacht am Handy hängt, statt zu schlafen. Auch über den Umgang mit Fotos und Videos sollte mit den Kindern gesprochen werden. Gerade das Teilen von Bildern (Selfies) im Internet oder per Messenger, und die damit verbundenen Gefahren, sollten Kinder aufgezeigt werden.

Das Handy und die damit verbundenen virtuellen Kontakte zu Freunden, sollte echte sozialen Kontakte nicht ersetzen. Auch wenn ein Kind ein Handy besitzt, sollte es sich so oft wie möglich mit Freunden treffen und einfach Kind sein können, draußen spielen und seine Welt entdecken. Natürlich verändert sich die Freizeitbeschäftigung mit steigendem Alter – aber das Handy kann nur eine Nebenrolle spielen und nicht zum Hauptbeschäftigungsgegenstand des Tages werden.

Muss es ein Smartphone sein? 

Wenn sich die Frage nach der eigentlichen Anschaffung eines Handy geklärt hat, kommt die Frage nach dem Modell. Natürlich hätten bereits die Kleinen gerne ein cooles Teil – das alles kann. Doch muss man für ein Grundschulkind schon ein Handy im Wert von 400 Euro kaufen? Gerade die kleinsten Handynutzer sollten erst einmal den Umgang mit einem „normalen“ Handy lernen. Wobei „normal“ heute ja auch schon bedeutet, dass das Handy eine Kamera und das ein oder andere Extra besitzt. So kann für den Anfang vielleicht das ausrangierte Handy von Mama oder Papa reichen, um das Kind glücklich zu stimmen.

Im Teenager-Alter ist es dann natürlich immer wichtiger „up to date“ zu sein, und ein relativ aktuelles Modell zu besitzen. Hier können Eltern eventuell mit der Familie zusammenlegen, und dem Kind das neue Handy zum Geburtstag oder Weihnachten schenken. Eine andere Möglichkeit ist natürlich, das Kind anzuhalten, selbst auf einen Teil für das Handy zu sparen. In diesem Fall geben die Eltern eine gewisse Summe an, die sie gewillt sind zu zahlen, und den Rest muss sich das Kind von seinem Taschengeld ersparen. So lernen die Kinder auch selbst den Wert ihres Smartphones schätzen.

Alltagskosten – Prepaid oder Vertrag ? 

Da nun die Fragen um Handy Ja oder Nein, und um das Modell geklärt sind, bleibt nur noch eine: Welche laufenden Kosten kommen auf einen zu? In Deutschland gibt es zwei Möglichkeiten: die Prepaid-Karte, bei der eine gewisse Summe vorgegeben ist, die zur Verfügung steht, oder der Vertrag, bei dem es keine feste Kostenkontrolle gibt.

Für Kinder eignet sich am besten die Prepaid-Karte. Denn hier haben Eltern die beste Kostenkontrolle. Sie können das Handy ihres Kindes mit einer gewissen Summe aufladen, die dem Kind dann zur Verfügung steht. Ist das Geld abtelefoniert, können sie jedoch nicht mehr selbst anrufen oder simsen, sondern nur noch von extern erreicht werden. Mittlerweile gibt es jedoch auch hier sogenannte Flatrates. Das bedeutet, es wird eine Summe aufgeladen, eine Flatrate gebucht und die Kinder können den kompletten Monat frei in bestimmte Netze telefonieren, und haben eine gewisse Anzahl an SMS frei. In solchen Fällen ist es sinnvoll die Netzte der Familie aufeinander abzustimmen. So kann das Kind beispielsweise immer kostenlos bei seinen Eltern anrufen. Vorteil dieser Kostenvariante – die Kinder lernen schnell, in welchem Rahmen sie telefonieren und simsen können und lernen so mit Geld umzugehen.

Der Handyvertrag hingegen ist eine heikle Angelegenheit. Der Vorteil ist sicherlich, dass das Kind jederzeit anrufen kann. Jedoch können die Kosten für Telefonate, SMS und MMS ins unermessliche steigen. Denn Eltern haben keine Kostenkontrolle. So ist es keine Seltenheit, dass Eltern am Ende des Monats das Grauen bekommen, wenn sie die Handyrechnung erhalten. Gerade das Herunterladen von Klingeltönen kann eine große Gefahr darstellen. Dahinter verstecken sich häufig Abos, die monatlich bis zu 20 Euro kosten. Aber auch der Download diverser kostenpflichtiger Apps kann ins Geld gehen. 

Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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