Der Saugreflex eines Babys ist angeboren, nichts ist also schöner, als das Nuckeln am Schnuller. So könnte es ewig weitergehen – sollte es aber nicht: den Zähnen zuliebe. 

Wenn mal wieder die Tränen fließen und der Kinderkummer groß ist, ist er da –  der Schnuller. Bequem und praktisch ist er. Schnuller rein – Kind ruhig. Er ist ein wahres Wundermittel. Doch irgendwann naht die Trennung vom liebsten Begleiter der Kinder. Denn um mit einem gesunden Gebiss ins Leben zu starten, sollten Kinder spätestens im dritten Lebensjahr vom Schnuller entwöhnt werden.

Schnullerentwöhnung: Der Abschied naht

Grundsätzlich kann man sagen, je länger ein Kind sich an seinen Schnuller gewöhnt, desto schwerer fällt die Entwöhnung. Die Schnullerentwöhnung kann man jedoch erst nach dem 8. Lebensmonat eines Babys starten, denn erst dann wird der Saugreflex vom Kaureflex abgelöst. Spätestens jedoch um den dritten Geburtstag sollte euer Kind dann so langsam „Schnullerfrei“ werden.

Nur die wenigsten Kinder geben ihren liebsten Tröster freiwillig ab. Und anders als bei der Sauberkeitserziehung, senden sie auch keine eindeutigen Signale aus, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Verlasst euch einfach auf euer Bauchgefühl, wann für euer Kind der richtige Moment gekommen ist.

Sinnvoll ist es, einen Moment abzupassen, an dem es eurem Kind gut geht, und es keine anderen Herausforderungen zu bewältigen hat. Gleichzeitig den Schnuller und die Windel zu verabschieden, könnte zum Beispiel für euer Kind zu viel sein. Eine große Hilfe ist außerdem ein attraktiver Schnullerersatz. Am besten in Kombination mit einer Geschichte, die darum herum erzählt wird.

Den Abschied zelebrieren

Da es den meisten Kindern sehr schwer fällt ihren Schnuller abzugeben, kann es kleine Wunder bewirken, den Abschied aktiv zu zelebrieren. Er kann zum Beispiel dem Osterhasen, dem Nikolaus oder dem Christkind mitgegeben werden. Im Gegenzug dafür bekommt das Kind ein tolles Geschenk, das über die erste, schwere Zeit hinweg tröstet.

Natürlich steht nicht immer Ostern oder Weihnachten vor der Tür, in dieser Situation hat sich die Geschichte um die Schnullerfee bewährt. Das schöne an der Schnullerfee, sie kann gespielt von einer Bekannten oder Freundin, die Kinder besuchen und den Schnuller persönlich gegen ein Geschenk eintauschen. Am überzeugendsten wird der Auftritt natürlich, wenn Ihr Kind die echte Person hinter der Schnullerfee nicht kennt und sie ein bisschen kostümiert ist.

Der Abschied vom Schnuller kann natürlich auch ohne die Mithilfe höherer Mächte angegangen werden. So können Schnullerfreie Tage oder Nächte mit kleinen Geschenken belohnt werden. Oder es kann eine kleine Abschiedsfeier gefeiert werden, die mit einer Prozession zur Mülltonne endet.

In manchen Städten gibt es mittlerweile auch so genannte Schnullerbäume. Dort können Kinder ihren Schnuller aufhängen. Viele Kinder mögen den Gedanken, ihren Schnuller jederzeit besuchen zu können. Es gibt ihnen Sicherheit und beruhigt sie.

Auch der Daumen muss weg

Schwieriger wird es, dem Kind das nuckeln abzugewöhnen wenn es dazu den Daumen nutzt. Schließlich kann man seinen Daumen nirgendwo hinhängen oder gegen ein Geschenk bei der Daumenfee abtreten. Das nächtliche Nuckeln am Daumen ist außerdem schwerer zu kontrollieren als beim Schnuller.

Abzuraten ist jedoch von Zwangsmaßnahmen wie zum Beispiel, ein Kind mit Fäustlingen schlafen zu legen, oder eine Tinktur auf den Nagel zu geben. Das grenzt eher an eine Bestrafung, als dass es einen Nutzen hat. Wie beim Schnuller gibt es auch beim Daumen freundliche Abgewöhn-Tricks, die genutzt werden können.

Man könnte zum Beispiel einen Lutschkalender mit dem Kind führen. An Tagen, an denen gelutscht wurde, wird ein trauriges Smile in den Kalender geklebt und an Tagen, an denen es geklappt hat, nicht zu lutschen, kommt ein lachender Smiley zum Zuge. Das funktioniert besser, wenn ein Kind den Kalender mit etwas elterlicher Unterstützung selbst führt. Und noch besser, wenn es zunächst an lutschfreien Tagen eine kleine Belohnung gibt. Nach den ersten Erfolgen können auch übersichtliche Ziele gesteckt werden: Wenn eine Woche nicht gelutscht wurde, gibt es eine Belohnung.

Eine andere Alternative ist es, aus dem Daumen einen Spielkamerad zu machen. Auf den Daumen (oder einen anderen Lutschfinger) wird ein Gesicht gemalt. Mit diesem neuen Freund, werden nun Fingerspiele gespielt, Lieder gesungen und Spaß gehabt. Dem Kind wird erklärt, dass der Daumen in der dunklen Mundhöhle Angst hat und sogar ganz verschwindet wenn gelutscht wird. So gewöhnt sich das Kind das Daumenlutschen ganz spielerisch ab.

Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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