Süßes schlafendes Baby
So friedlich sehen Baby natürlich auch beim Mittagsschlaf aus. (Bild: © nataliaderiabina / Adobe Stock)

Eltern wissen und spüren es – der Mittagsschlaf von Babys und Kindern ist eine überaus wichtige Pause, damit sie mit neuer Energie ihre kleine Welt entdecken können.

Doch der Mittagsschlaf macht außerdem klug: „Im Schlaf wird das Gelernte so lange wiederholt, bis es sich fest verankert hat“, erklärt der Schlafforscher Professor Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. Dabei werden die gleichen neuronalen Verbindungen aktiviert, wie beim Lernen im wachen Zustand. Beim Großwerden hilft das Schlafen übrigens auch, denn dabei schüttet das Gehirn ein Wachstumshormon aus.

Babys innere Uhr tickt grundsätzlich anders

Die erste Hürde die zu einem erholsamen Mittagsschlaf zu nehmen ist, ist das Einschlafen. Und das stellt manchmal eine echte Herausforderung dar. Eltern berichten häufig, dass in ihrem Alltag mit Terminen, Verpflichtungen und Geschwisterkindern, der richtige Zeitpunkt für den Mittagsschlaf verpasst wird. Das hat zur Folge, dass die Babys nur noch schlecht einschlafen und lange Zeit brauchen, um zur Ruhe zu kommen.

Dies hat einen einfachen Grund: Die innere Uhr eines Babys tickt anders, als die des Familienalltags. Optimal ist es, wenn ein Baby dann schlafen gelegt wird, wenn es Anzeichen von Müdigkeit zeigt. Wenn es gähnt, weinerlich wird, Augenkontakt meidet, sich ruckartig bewegt, Fäustchen macht, oder sich die Augen oder Ohren reibt. Doch das ist nicht immer möglich. Denn Babys und Kleinkinder haben zum Schlafen sogenannte Zeitfenster. Wenn sie müde sind, aber nicht schlafen gelegt werden können, geht die Gelegenheit zum Einschlafen erst einmal vorüber. Das nächste Fenster öffnet sich erst nach 50 bis 60 Minuten.


Im Video: Eine Nacht mit Baby!


Der richtige Zeitpunkt für ein Schläfchen ist nach dem Mittagessen

Ähnliche Probleme beim Einschlummern kann es auch geben, wenn Kinder über Mittag in der Tagesstätte bleiben, und erst am frühen Nachmittag abgeholt werden können. Der berühmte „tote Punkt“ ist dann oft schon überwunden, und das Kind spielt munter oder gar überdreht. Denn die beste Zeit für den Mittagsschlaf, so belegen es Studien, ist zwischen 12 und 14.30 Uhr, also gleich nach dem Mittagessen. Der Körper braucht jetzt Ruhe, um sich der Verdauungsarbeit zu widmen. Auch hier muss man sich gedulden, bis sich das nächste Zeitfenster zum Einschlafen öffnet. Da ist es meistens besser, wenn das Kind noch in der Kita seinen Mittagsschlaf hält oder zügig nach dem Essen abgeholt werden kann.

Kleine Kinder brauchen Hilfe beim Einschlafen

Damit Kinder gut einschlafen, brauchen sie Hilfe. Rituale sind ein wichtiger Begleiter im Alltag der Kinder und erleichtern so auch das einschlafen. Wiederkehrende Rituale wie das Anziehen des Schlafsacks, die Melodie der Spieluhr oder das schaukeln der Wiege, bereiten die Kinder auf das bevorstehende einschlafen vor und erleichtern so das zur Ruhe kommen.

Manche Babys aber schlafen auch tagsüber am liebsten auf dem Arm ein und müssen dann behutsam wie ein rohes Ei hingelegt werden.

Schläft ein Baby oder Kleinkind trotz aller Mühe und obwohl der Zeitpunkt stimmt nur schwerfällig ein, hatte es vielleicht morgens einfach zu viel Programm. „Wehrt ein Kind sich regelrecht gegen den Mittagsschlaf, obwohl es ihn offenbar dringend nötig hätte, kann es daran liegen, dass es zu viel an ‚Input‘ erhalten hat, zum Beispiel Babykurse, Ausflüge oder Besuche“, erklärt Ärztin Dr. Andrea Schmelz, Autorin und Herausgeberin eines Elternratgebers.

Beste Schlafumgebung: Hell oder Dunkel?

Viele Eltern gehen davon aus, dass der Ort, an dem ihr Kind nachts schläft, auch für den Mittagsschlaf der Beste ist. Doch der Mittagsschlaf hat seine eigenen Regeln. So manches Baby schläft dort, wo das Familienleben spielt, leichter ein, als im eigenen, stillen Zimmer – also etwa auf der Krabbeldecke, unterwegs im Kinderwagen, und im Auto sowieso. Größere Kinder dagegen haben eher ein Bedürfnis nach Ruhe: Wissenschaftler haben beobachtet, dass Kinder umso mehr Stille brauchen, je älter sie sind. Wo auch immer ein Kind schläft – das betreffende Zimmer sollte allenfalls leicht verdunkelt werden. Denn simuliert man die Nacht, gerät vor allem bei Babys das Gefühl dafür, wann es wirklich Nacht (und damit Zeit für einen ausgedehnteren Schlaf) ist, durcheinander.

Der letzte Schlaf am Tag spätestens 4 Stunden vor dem ins-Bett-gehen

Die meisten Babys machen im ersten Lebensjahr etwa zwei bis drei Tagesschläfchen, vormittags, mittags und am frühen Nachmittag. Denn nach einer Wachphase von drei bis fünf Stunden ist es für sie schon wieder Zeit zum Ausruhen. Babys schlafen tagsüber zusammen genommen ungefähr drei bis vier Stunden, was aber von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein kann.

Irgendwann – meist zwischen 9 und 18 Monaten – stellen Kinder sich um, und schlafen nur noch einmal am Tag. Und es gibt sie tatsächlich: Kinder, die nachmittags drei Stunden schlafen und trotzdem abends um 19 Uhr wieder müde sind. Doch das sind Ausnahmen. Viele Kinder schlafen abends nur schwer ein, wenn sie sich nachmittags zu lange ausgeruht haben.

Hier kann man versuchen, den Mittagschlaf zu begrenzen und die Kinder behutsam wecken. Wie viel Schlaf ein Kind braucht, kann man ermitteln, in dem man über mehrere Tage ein Schlaftagebuch führt. Dazu werden alle Schlafenszeiten notiert. Denn den Gesamtschlafbedarf eines Kindes über 24 Stunden kann man zwar weder vergrößern noch verkleinern – man kann ihn aber umverteilen. Zwischen dem Ende des Nickerchens und dem abendlichen Ins Bett gehen sollten mindestens vier Stunden liegen, raten Fachleute.


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