Warum man Amokläufe nicht verhindern kann
Bild: © yahyaikiz / Fotolia

Die Stadt Herne (NRW) steht momentan unter einem bleiernen Schock. Der 19-jährige Marcel H. steht unter dringendem Verdacht, zwei Menschen brutal ermordet zu haben. Knapp drei Tage lang wurde bundesweit nach ihm gefahndet, bis er sich letztlich in einem Imbiss in Herne zu erkennen gab, um dann festgenommen zu werden. Ganz Deutschland stellt sich aktuell die Frage, was einen jungen Menschen zu so etwas treibt. Und: Kann man solche Taten verhindern?

Was bisher über Marcel H. an die Öffentlichkeit gedrungen ist – nehmen wir diese Informationen einmal vorsichtig als Fakt und belegt an – schafft keine große Zuversicht. Es heißt, dass er sehr zurückgezogen gelebt hat. Kaum echte soziale Kontakte hatte. Darüber hinaus scheint er sich sehr in eine Gamer-Welt und das Darknet verkrochen zu haben. Kommen dann noch persönliches Schicksal und mögliche Ausgrenzung von Außen hinzu, dann ist der „Psychopat“ im Menschen offenbar startklar.

Ganz sicher kommt es auf das Gemüt eines Menschen an, wieviel es braucht, um sich selbst zu verlieren, wirre Pläne zu schmieden, und mit der „Axt“ auf Menschen loszugehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch unterschiedlich viele Komponenten braucht, um (theoretisch) durchzudrehen.

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Aber zwei Dinge werden immer als Voraussetzung vorhanden sein: Isolation und Scheinwelten.

Mittlerweile ist aufgrund der Vernehmungen durch die Polizei bekannt, dass Marcel H. von der Bundeswehr abgelehnt wurde und weitere Bewerbungen scheiterten. Darüber hinaus bezeichnet er sich wohl selber als Computer- und Spielsüchtig. In seiner neuen Bleibe gab es allerdings keinen Internetzugang. Durch all diese Umstände hat er innerhalb kürzester Zeit zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Passt auf euch auf: Es wird immer wieder passieren!

Wer nun sagt, dass man solch einen Amoklauf hätte verhindern können, dem muss ich entgegnen, dass ich daran nicht im geringsten glaube!

Niemand wird jemals in der Lage sein, sogenannte „Einzelschicksale“ ausnahmslos frühzeitig zu entdecken und zu entzerren. Wir alle kennen Menschen, die wir relativ regelmäßig beim Einkaufen sehen, aber nie mit ihnen reden. Vielleicht kennt man das Gesicht sogar noch von der Schule. Aber man hatte niemals einen gemeinsamen Freundeskreis.

Woran wollen wir festmachen, ob diese Person ÜBERHAUPT einen Freundeskreis hat? Wie es um die Familie steht? Ob es Probleme in der Schule, im Job, in der Beziehung gibt?

Man erkennt einen Mörder nicht an der „Nasenspitze“

Kurzum: Wir sollten definitiv auf die Menschen in unserer Umgebung aufpassen. Familie, Freunde und Bekannte sollte man nicht links liegen lassen, wenn wir das Gefühl haben, dass dort irgendetwas nicht passt. Ziemlich sicher kann es auch nicht falsch sein, auf das eine oder andere unbekannte traurige Gesicht zuzugehen, wenn man die Zeit erübrigen kann, sich eine Geschichte anzuhören.

Trotzdem ergeben wir uns jeden Tag einem drohenden Schicksal. Es klingt abgedroschen und martialisch – Amokläufe kommen aus dem Nichts. Wir werden sie nicht kommen sehen…

Aber eines muss klar sein: Wenn ein Mensch einmal die Schwelle zum Mord oder zur schweren Straftat überschritten hat, möchte ich ihn nicht als reines ehemaliges Opfer stehen lassen. Denn die meisten von uns kennen schwere Zeiten. Das macht uns aber noch lange nicht zum mehrfachen Mörder!


 

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