Hamburg: Junge wird wegen Diabetes die Einschulung verweigert

Hamburg: Junge wird wegen Diabetes die Einschulung verweigert

*HAMBURG* Einem sechsjährigen Jungen aus Hamburg wurde an zwei Grundschulen die Einschulung verweigert. Der Grund: Ben hat Diabetes Typ 1.

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Junge wird wegen Diabetes die Einschulung verweigert

Der kleine Ben ist 6 Jahre alt, wohnt in Hamburg, und steht kurz vor der Einschulung. Theoretisch. Praktisch verweigerten ihm gerade zwei Grundschulen aus Hamburg den Schuleinstieg, weil er an der Autoimmunerkrankung „Diabetes Typ 1“ leidet. Bei dieser Form von Diabetes muss ein Patient täglich regelmäßig seine Blutzuckerwerte kontrollieren. Da der sechsjährige das aber noch nicht alleine kann, weigerten sich laut RTL.de bereits zwei Grundschulen, ihn aufzunehmen.


Inklusion – Fehlanzeige

Inklusion bedeutet vom Grundgedanken her, dass alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Aussehen, körperlicher Verfassung, Geschlecht oder Interessen, als gleichberechtigt miteinander leben können. Für Schulen ist das natürlich eine enorme Aufgabe, welche aber mit viel gutem Willen und Kreativität, bewältbar ist. Mittlerweile gibt es deutschlandweit sehr viele Schulen, mit ausgereiften Konzepten zum Thema Inklusion.

Der Wille zur Kreativität schien leider im Falle zweier Grundschulen in Hamburg, ein jähes Ende zu finden. Einer der Schulleiter teilte mit, dass er über seine Rechtsabteilung erfahren habe, dass Lehrkräfte keine medizinischen Hilfsmaßnahmen durchführen müssten. Damit war das Thema „Insulin“ für ihn durch.

Krankenkasse versagt menschlich auf ganzer Linie

Wer nun denkt, dass man schon alles gehört hat, der hat nicht mit der Reaktion der zuständigen Krankenkasse gerechnet. Diese wurde natürlich von den Eltern des Jungens, mit der Bitte um Übernahme einer medizinischen Betreuungskraft, eingeschaltet.

Die Kasse gab den Fall prompt an den medizinischen Dienst weiter, um *Trommelwirbel* feststellen zu lassen, ob der Kleine in der Lage ist, selbstständig zu Essen und zu Trinken. Und das konnte er natürlich.

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Das Ergebnis dieser sehr aufwendigen Studie des Patienten, gipfelte in der Tatsache, dass Ben eine Pflegestufe verweigert wurde, die Kasse damit keine Betreuung bezahlen musste, und er nicht eingeschult werden konnte.

„Happy-End“ mit Magenschmerzen

Sicherlich hätte man an allen Fronten juristisch erfolgreich dagegen angehen können. Aus den uns bekannten Berichten geht hervor, dass die Mutter des Jungen sogar selber Anwältin ist. Aber sie hatte spontan die gleichen Einwände wie wir:

Will man ein Kind in eine Schule klagen, wo es nicht erwünscht ist?

Sicherlich nicht. Es ist eine von diesen vielen Geschichten, die täglich passieren, bei denen man am Ende mit einem dumpfen Gefühl im Magen, tief durchatmen muss.

Mittlerweile hat die Familie übrigens ein schulisches Zuhause für ihren Sohn gefunden. Eine evangelische Schule hat sich Ben nun angenommen. Die Betreuung, auch im medizinischen Sinne, scheint dort kein großes Thema zu sein. Wir wünschen Ben und seiner Familie einen schönen Start in die Schulzeit!

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